Pavillon Logo
Do | 08.11.2018 | Beginn 20:00 Uhr

Konzert

Irish Folk Festival

Music knows no borders

Der Brexit stellt die irische Kultur vor einige spannende Fragen: Wo gehören die Iren wirklich hin - zu England oder zu Europa? Ist eine harte Grenze zwischen Nord und Süd zu ertragen? Man hat sich doch seit dem „Good Friday Agreement“ mit einer immer weicheren Grenze angefreundet und alle haben davon profitiert. Die Mehrheit der Nordiren ist gegen den Brexit und damit gewinnt der Traum von einem wiedervereinigten Irland Realität. Wer sich mit irischer Kultur auskennt, der weiß: Musik, Tanz und Gesang sind der Stoff, aus dem Träume sind. Sie kennen keine Grenzen.
Bisher waren die Beziehungen zwischen Irland und England vom irischen Nationalismus bestimmt und seit dem Brexit ist dieser Zustand plötzlich auf den Kopf gestellt. Die Iren strebten nach Unabhängigkeit, und das mit gutem Grund. Als Gastarbeiter waren sie ein notwendiges Übel und täglichem Rassismus und Diskriminierung ausgesetzt. Diese bittere Erfahrung und auch ein ungebrochener Stolz waren Stoff für viele Lieder. Lieder, die um Unabhängigkeit, Revolution und Wiedervereinigung kreisten, gingen uns in Europa unter die Haut. Was wird aus diesen Liedern, wenn plötzlich die Engländer die Iren nicht mehr haben wollen? Der Brexit bedeutet nicht nur Abkehr von Europa, sondern auch von Irland.

Das Irish Folk Festival zeigt seit 45 Jahren, wo Irland wirklich hingehört. Es gehört nach Europa. Sollte es bald wieder eine harte Grenze zwischen Nordirland und der Republik geben, dann werden die alten Lieder mit noch mehr Inbrunst gesungen werden. Die erneute Trennung wird schmerzen und daran erinnern, dass man einst in einem Land ohne Grenzen lebte. Dass das Leben in einer Welt ohne Grenzen lebenswerter ist, daran will die „Music knows no borders“-Tour dieses Jahr erinnern.

Christy Barry & James Devitt
Doolin music house
Die zwei in Ehren ergraute Gentlemen sind Urgesteine der traditionellen Szene der Grafschaft Clare. Seit über 50 Jahren sind Christy Barry & James Devitt aus dem musikalischen Leben rund um Doolin und die Cliffs of Moher nicht wegzudenken. Als junge Burschen haben sie vom legendärem Micho Russell gelernt und werden als seine legitimen Nachfolger gesehen. So hat z.B. 2016 das Doolin Folk Festival Christy Barry für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
Christy spielt Querflöte, Tin Whistle und Spoons - James die Fiddle. Mit ihrem so entspannt gespielten „old-time“-Stil haben sie dazu beigetragen, dass das kleine Dorf an der Westküste weltberühmt geworden ist. Aber internationale Bekanntheit hat auch ihre Schattenseiten. Bedingt durch viele Touristen sind die Pubs in den Sommermonaten überfüllt. Konzentriertes Zuhören ist daher kaum möglich. Da geht manchmal die Session im Lärm unter und wird leider nur noch Soundtrack zum Bier.
Die Antwort darauf ist verblüffend und ermöglicht sowohl für die Musiker als auch die Zuhörer eine neue Perspektive. Christy Barry öffnet ein paarmal pro Woche sein Haus für Besucher, die am Kaminfeuer auch die filigransten Zwischentöne hören wollen. Dabei erzählt der Meister von den guten alten Tagen, ohne sie romantisch zu verklären. Man erfährt so manches über Micho, Pakie & Gussie Russell, Paddy Killoury, Willie Clancy und die Region. Es geht lustig zu, denn Christy ist immer für eine Anekdote gut. Seine Frau Sheila reicht Sandwiches, Kekse, Tee, Wein und Bier. Das Projekt nennt sich „Doolin music house“, und Besucher aus aller Welt sind begeistert, für einen moderaten Eintritt zwei Legenden aus der Nähe am Kaminfeuer erleben zu dürfen.
Das Projekt ist in Irland bisher einmalig. Die Idee stimmt. Traditionelle Musik wurde vor Jahrzehnten vor allem zu Hause in der Küche gespielt, dann immer mehr im Pub und jetzt schließt sich wieder der Kreis mit dem „Doolin music house“.
www.christybarry.com und www.doolinmusichouse.com
www.youtube.com/watch?time_continue=1&v=6-Chxl7QZBw
www.youtube.com/watch?v=Ns7oiOqWAYs

Joanna Hyde & Tadhg Ò Meachair
Folk for the foxes
Joanna Hyde & Tadhg Ò Meachair haben neulich geheiratet und das IFF ist für die zwei eine Art verspätete Hochzeitsreise. Wie gut das frisch gebackene Ehepaar harmoniert, kann man auf ihrem Debüt-Album „One for the foxes“ hören. Hier finden sich sowohl irische als auch amerikanische Tunes und Songs wieder. Kein Wunder, denn Joanna ist Amerikanerin und Tadhg (ausgesprochen Teig) Ire. Weder der amerikanische noch der irische Folk gewinnt die Überhand. Es entsteht ein eher transatlantischer Klang, der sich frisch anhört und neugierig auf mehr macht. So holt man auch den scheusten Fuchs/Hörer aus dem Bau oder hinter dem Ofen hervor.
Tadhg spielt sowohl Piano als auch Akkordeon. Bekanntheit erlangte der mehrfache „All Ireland Champion“ als Tastenmann der irischen Supergruppe Goitse. Er hat viele Grooves entwickelt, wie man irische Instrumentals immer wieder mit neuer Energie und frischen Ideen begleiten kann. Tadhg hat auch das handwerkliche Können, um Folklieder auf einem großen Steinway-Flügel zu fast symphonischen Werken werden zu lassen und sie wieder unschuldig einfach ausklingen zu lassen.
Joanna spielt eine dynamische Fiddle mit einem großen warmen Ton. Ihre lyrische Stimme überzeugt mit vielen ausdruckstarken Facetten und zusätzlich dazu kann sie sogar steppen! In ihrem Repertoire finden sind neben Traditionals auch Lieder von irischen und schottischen Singer-Songwriterinnen wie z.B. Karine Polwart. Joanna bringt den Inhalt ihrer Lieder zum Glänzen und zieht den Zuhörer in das Innere der Handlung förmlich hinein. Tadgh und Joanna sind zwei schlaue Füchse, die der irischen und amerikanischen Tradition auf die Schliche gekommen sind.
www.facebook.com/tradduo/
www.youtube.com/watch?time_continue=1&v=OtnrwMetAvs
www.youtube.com/watch?time_continue=6&v=eFCNd5SbjVw

Ailie Robertson’s Traditional Spirits
A musical tribute to Scottish Whisky
Ein großer Whisky muss jahrzehntelang reifen und gewinnt so immer mehr an Charakter. So ist es auch mit großen Künstlern wie Ailie Robertson, die als eine der führenden Harfenistinnen und Komponistinnen Schottlands gilt. Beim IFF stellt sie ihr einmaliges Projekt „Traditional Spirits“ vor. Es ist eine Hommage an das flüssige Gold Schottlands. Ailie sieht deutliche Parallelen zwischen den uralten Traditionen des Whisky und des Scottish Folk. Beide werden von Generation zu Generation weitergegeben und beiden liegen nur ein paar wenige Elemente zu Grunde. Whiskybrenner verwenden Gerste, Wasser und Hefe. Musiker legen los mit sieben Tönen und einer Handvoll Rhythmen. Trotzdem gleicht kein Whisky dem anderen und so ist es auch mit den vielen regionalen Stilen des Scottish Folk.
Die „Traditional Spirtis“ sind ein Dutzend Kompositionen, die im Stile einer symphonischen Dichtung verschiedene Phasen der Whiskyherstellung zu Gehör bringen. Der wilde Gärungsprozess, das hitzige Destillieren und das besinnliche Reifen. All das werden uns Ailie und ihr Sextett einschenken. Ganz nach der alten Kunst des „whisky blending“ wird Tradition, Jazz und Klassik zu einem hochprozentigen und berauschenden Hörerlebnis gemischt. Die Bandleaderin hat sich in Irland und Schottland umgesehen und für die „Traditional Spirtis“ einige der besten Musiker*innen eingeladen, die Fiddle, Drums, Gitarre, Saxophon und Flöten spielen.
Ihre „Whisky-Experience“ hat Ailie nicht etwa aus dem Internet, sondern auf einer Rundreise durch alle schottischen Whisky-Regionen bekommen. Die Komponistin ließ sich mit ihrer Harfe in Brennereien und Lagerhäuser über Nacht einschließen und hat dort auf Inspiration gewartet. Sie hat sich mit den Meistern der Brennkunst unterhalten und ihre Herzen gewonnen, indem sie für sie spontan vor Ort aufspielte. Begleitet wurde sie dabei von einem TV- Team, das die schönsten Momente dieser Reise für die Ewigkeit festhielt. Die Dokumentation und der auf CD vorliegende Soundtrack wurden bereits auf arte und 3sat ausgestrahlt und wegen großem Echo mehrfach wiederholt. Jetzt ist das kleine Meisterwerk beim IFF endlich auch hautnah „live in concert“ zu hören.
Und wenn das Motto der Tour in diesem Jahr „music knows no borders“ heißt, warum sollten wir auch nicht ein schottisches Thema dabei haben? Auch die Schotten sind durch den Brexit herausgefordert, sich neu zu besinnen. Obwohl sie eine der eigenwilligsten Regionen Europas sind, sind sie in ihrer Mehrzahl pro-europäisch. Der Brexit könnte durchaus zu einem erneuten Referendum über die schottische Unabhängigkeit führen.
youtu.be/pcAYKx4IGYI

The Outside Track
Tradition with new wings
An ihnen kommt man nicht vorbei, wenn man die erfrischenden und kreativen Interpreten keltischer Musik in dieser und letzter Dekade aufzählen will. Wie der Bandname es schon andeutet, wollte das Quintett eine neue Perspektive anbieten. Eine, die einen frischen Blick von außen auf eine ehrwürdige Tradition wirft und sie erneuert. Seitdem haben die jungen Damen in der keltischen Musikszene nicht nur „outside“, sondern auch „inside“ markante Spuren hinterlassen. Die Fans haben jetzt die Gelegenheit, die Spur aufzunehmen und zu entdecken, wohin die musikalische Reise seit 2013 gegangen ist, als die Band das letzte Mal am IFF teilgenommen hat.
Überschäumende Spiellaune, beeindruckende Virtuosität, Stepptanzeinlagen, eigenwillige Arrangements und eine Sängerin mit einmaliger Stimme. Die Musikerinnen pumpen die althergebrachten Melodien mit Energie, Frische und guter Laune auf, so dass diese schwerelos werden und einfach abheben. Diese beflügelte Musik begeistert nicht nur die Zuschauer sondern auch gestandene Journalisten: „…Irische Mystik pur…“, schrieb Uli Olshausen im Feuilleton der FAZ, als er die Gruppe beim IFF hörte. Aber auch die IFF-Fans waren hellauf begeistert und daher war klar: Wenn ein neues Album da ist, dann muss The Outside Track ein Comeback geben. Das neue Album ist jetzt da.
Was ist an The Outside Track im Vergleich zu anderen Top-Bands so besonders? Die Mitglieder kommen aus Irland, Schottland und Kanada. Entsprechend vielfältig sind der Klang und das Repertoire. Die vier jungen Frauen und ein Gitarrist haben einen transatlantischen bzw. pan-keltischen Sound geschaffen, der eine Brücke über keltische Traditionen schlägt. Es ist, wie wenn sich drei Flüsse zu einem großen Strom vereinigen, der imposant die Musiklandschaft für sich einnimmt und im Sonnenlicht schimmert. The Outside Track sind getreu ihrem Namen erfrischend anders. Sie wagen den Blick von außen nach innen. Es ist ein Blick aus der Perspektive der Weltmusik auf traditionelle Spielweisen. Dazu kommen eigene Kompositionen, die immer mehr an Bedeutung gewinnen. Alle sind begnadet virtuos, und mit Fiddle (Mairi Rankin), Harfe (Ailie Robertson), Akkordeon (Fiona Black), Flute und Gesang (Teresa Horgan) und Gitarre ist die Band reichhaltig instrumentiert. Stark bei Stimme ist die Gruppe auch. Teresa gilt als eine der großen neuen Stimmen Irlands, und sie wird durch anmutig klingenden Harmoniegesang ihrer Kolleginnen umrahmt und akzentuiert.
Ja sogar atemberaubende Stepptanz-Einlagen hat die Band im Programm! In Cape Breton (kanadische Ostküste) hat sich eine wilde und ungestüme Art des Steppdance erhalten. Mairi kommt aus einer Familie, die in Cape Breton für sowohl artistische Tanz als auch Musik Darbietungen bekannt und geschätzt ist.
The Outside Track haben bisher fünf Alben veröffentlich und damit auf beiden Seiten des Atlantiks einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. In Deutschland wurde das Album „Flash Company“ sogar mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik als das beste Folkalbum prämiert!
www.theoutsidetrack.com
www.youtube.com/watch?v=FnbctIzg8PQ
www.youtube.com/watch?time_continue=2&v=u8CLr13_GyQ

www.irishfolkfestival.de/


VVK 30,60 bis 41,60 € AK 31/27 bis 42/37 €