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Pavillon Prison Break: Das Gaming-Projekt

Baut mit uns ein Online-Game und ein Theaterspiel aus unbekannten Stadtgeschichten!  

Einst ein stadtbekanntes Symbol, heute weitestgehend in Vergessenheit geraten: Die Hoffnungsbirke. So nannten die Hannoveraner*innen einst ein Bäumchen, das aus den Mauern des Gerichtsgefängnis Hannover emporwuchs und für viele Insassinnen und Insassen das einzige war, das sie außer Mauern und Himmel zu Gesicht bekamen.

Diese für die meisten unbekannte Stadtgeschichte verbirgt sich an dem Ort, an dem sich heute das Kulturzentrum Pavillon befindet. 1863 wurde hier das Königliche Gerichtsgefängnis erbaut, 1963-1965 wurde der riesige Komplex, der bis dahin fast den gesamten Raschplatz ausfüllte, abgerissen.

In den hundert Jahren von der Grundsteinlegung bis zum Abriss  sollte das Gefängnis sechs verschiedenen Staaten dienen – dem Königreich Hannover, dem Königreich Preußen, dem Deutschen Kaiserreich, der Weimarer Republik, dem „Dritten Reich“ sowie der Bundesrepublik Deutschland. Hier wurde der Serienmörder Fritz Haarmann hingerichtet, hier waren wichtige Gegner der nationalsozialistischen Herrschaft wie Otto Brenner oder Ernst Thälmann inhaftiert (siehe Artikel auf Wikipedia). Seit 1977 wird nun an diesem Ort Soziokultur praktiziert: Im Jahr 2017 wird das Kulturzentrum Pavillon sein 40-jähriges Bestehen feiern.

Nichts könnte wohl gegensätzlicher sein: Dort, wo einst Todesurteile verhängt und vollstreckt wurden, wird heute auf Konzerten und Partys das Leben gefeiert. Wo Autorität brutal durchgesetzt wurde, wird heute gleichberechtigt miteinander Kultur gemacht. Ein Ort der Repressionsorgane der verschiedenen Staaten ist heute ein Ort der politischen Initiativen von unten und der sozialen Bewegungen.

Es gibt nicht die eine Geschichte dieses Ortes. Vielmehr gibt es subjektive Erzählungen, ergreifende Einzelschicksale, politische Bezugnahmen, historische Betrachtungen  – sowie literarische und künstlerische Darstellungen. Kaum ein Medium ist so geeignet, diese verschiedenen Zugänge miteinander verbunden zu eröffnen, wie Computerspiele – vor allem, wenn es um gleichberechtigte Aneignung anstatt frontaler Wissensvermittlung geht.

Mit dem Projekt „Pavillon Prison Break“ werden ab September 2016 im und um den Pavillon Angebote gemacht, sich mit Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Ortes über kulturelle Zugänge auseinanderzusetzten. Durch die gemeinschaftliche Produktion eines analogen und eines digitalen Spiels wird sich der Raum, an dem einst das Gerichtsgefängnis Hannover stand und der nun von Kulturzentrum, Grünfläche, Geschäften und urbaner Brachfläche komplett unterschiedlich definiert wird, neu angeeignet.

Ziel des Spiels ist der Ausbruch aus dem analog und digital simulierten Gerichtsgefängnis. Dabei durchlaufen die Spielenden verschiedene Orte und Zeiten. Motiv des Projektes ist die „Hoffnungsbirke“.
Hoffnungsbirke Mahnmal

In Workshops entstehen aus verschiedenen Inhalten & Formaten (Theater, Film, Musik, Mediendesign, literarisches Schreiben, bildende Kunst, politische Diskussion) ein digitales Spiel für Smartphone & Tablet, das dauerhaft im öffentlichen Raum des Pavillons und im Außenbereich spielbar sein wird. Beim Spamfilter Festival im August 2017 geht das innerhalb und außerhalb des Pavillons per App & Tablet spielbare online-Game ans Netz. Als Release-Event gibt es am Festivalwochenende eine analoge Theaterinszenierung von Nutzer*innen im gesamten Gebäude – als Teil der Aktionen zu „40 Jahre Pavillon“.

Ein Projekt des Kulturzentrum Pavillon und der niedersächsischen Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur. Gefördert mit Mitteln des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft & Kultur im Rahmen des Programms „Neue Formate in der Soziokultur“.

 

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