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Mo | 05.02.2018 | Beginn 20:00 Uhr

Konzert

Souad Massi - Algerien > Songbirds

Eine Stimme aus Tausendundeiner Nacht

Souad Massi stammt aus Algerien, und ihre zur akustischen Gitarre vorgetragenen Chansons besitzen einen starken arabisch-andalusischen Touch. "Ich trug diese Musik schon immer in meinem Kopf", erzählt die Sängerin. "Aber in Algerien hatte ich nicht die Mittel, sie umzusetzen", sagt die Songwriterin und drückt sich dabei etwas unbehaglich in dem beigefarbenen Sessel herum, in welchem sie für einen Interviewtermin in einem Berliner Hotelzimmer Platz genommen hat. In solchen Momenten wirkt sie eher wie eine schüchterne Studentin aus dem Maghreb als wie jene charismatische Bühnenperson, die es vermag, einen ganzen Konzertsaal zu Tränen zu rühren.
Dabei ist genau das ihr Talent. Im Januar 1999 folgte Souad Massi einer Einladung nach Frankreich, um beim Musikfestival "Femmes d’ Algérie" gegen den Krieg in ihrem Land aufzuspielen. An drei Abenden in Folge zog sie das Publikum mit ihrer subtilen und ausdrucksstarken Art in ihren Bann, und aus dem einmaligen Engagement wurde ein längerer Aufenthalt. Im Sommer 2001 erschien ihr Albumdebüt "Raoui", das in Frankreich sehr große Aufmerksamkeit erregte. 2003 folgte ihr Album „Deb“ ("Mit gebrochenem Herzen").

Ihrer Verwurzelung im Folk wegen wurde Souad Massi schon mit vielen anderen weiblichen Songwriterinnen verglichen, von Joni Mitchell bis Tracy Chapman. Dabei hat die algerische Songwriterin längst ihren eigenen, polyglotten Stil entwickelt. Die 36-Jährige hat schließlich schon eine lange Bühnenlaufbahn hinter sich. 1972 in Bab El-Oued, einem Vorort von Algier geboren, standen ihr westliche Musikstile stets näher als die traditionelle Musik des Maghreb. Schon früh griff sie zur Gitarre, um Folksongs und westliche Hits aus dem Radio nachzuspielen. "Ich habe mir aber auch gerne die TV-Sender aus der Türkei angeschaut", gibt Souad Massi freimütig zu, vergleichbare Musikprogramme gab es damals im Maghreb nicht.
Ihre erste Bühnenerfahrung sammelte Souad Massi zunächst in einer Flamencogruppe. Später sprang sie ihrem Bruder in der Rockband Atakor zur Seite, die im ganzen Land Popularität erlangte. So wundert es nicht, dass ihre Musik auch heute noch wenig gemein hat mit jenem globalisierten Rai-Pop, den seine Stars wie Khaled und Cheb Mami im Ausland berühmt gemacht haben und der Algerien ins musikalische Bewusstsein des Westens gepflanzt hat.

Nebenbei studierte Souad Massi Stadtplanung an der Universität von Algier, und nach ihrem Diplom arbeitete sie in einem Büro für Stadtentwicklung. Als sich die politische Situation in Algerien Ende der 90er Jahre durch den blutigen Bürgerkrieg zuspitzte, eine Ausgangssperre das öffentliche Leben lahmlegte und es überhaupt zu gefährlich wurde, sich mit dem Gitarrenkoffer durch die Straßen zu wagen, hängte Souad Massi ihr Instrument kurz entschlossen an den Nagel. "Ich habe nur noch für mich selbst gesungen", sagt Souad Massi rückblickend. Doch diese Entscheidung war glücklicherweise nicht von Dauer.
"Es ist keine Auseinandersetzung zwischen Islamisten und dem Staat", sagt Souad Massi über den mehr als zehn Jahre schwelenden Bürgerkrieg in ihrem Land. Im Hintergrund würden ganz andere Rechnungen beglichen, gibt sie einen weit verbreiteten Eindruck wieder. "Die Probleme werden geschürt, um von anderen Interessen abzulenken", glaubt sie. Und: "Der Islamismus ist nicht das größte Problem." Obwohl sie in ihrem Jeans-und-T-Shirt-Outfit bei frommen Eiferern nicht gerade auf Gegenliebe stoßen dürfte, sagt sie sogar: "Ich respektiere die Ideologie mancher muslimischer Parteien. Es ist die allgemeine Ungerechtigkeit, die ihnen Zulauf beschert."

Souad Massi spielt die weibliche Hauptrolle in dem Film "Mit den Augen eines Diebes".
Der Film ist wunderbar, meine besondere Empfehlung. (Gerd Kespohl)

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Fotos: ©Jean-Baptiste Millot



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