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Mi | 27.09.2017 | Beginn 19:00 Uhr

Vortrag & Diskussion

Nationalismus und Neoliberalismus - (k)ein Gegensatz?

Lesung und Diskussion anlässlich des "Tags der Deutschen Einheit"

Neoliberalismus und Nationalismus erscheinen im politischen Diskurs der EU und der USA als die wesentlichen Antagonismen unserer Zeit. Referent Gerhard Stapelfeldt, em. Prof. der Soziologie an der Universität Hamburg, legt in seinen Einführungen in die Soziologie die Entwicklung neoliberalen Denkens in Bezug auf reaktionäre Bewegungen dar. Seine These: Der Neoliberalismus trägt mit seinem Fokus auf das angenommene „sozial-atomisierte“ Subjekt zur Verdrängung und Verschleierung der eigenen Geschichte bei. Rassismus, Kolonialismus, Sexismus und im deutschen Kontext vor allem Antisemitismus können so von der Genese der aktuellen Gesellschaft abgespalten und als historisch isolierte Aspekte verklärt werden. Dabei stellen sie sowohl ideologisch als auch materiell die Bedingungen für die Entwicklung des westlichen Kapitalismus dar.

Durch diese der neoliberalen Denkweise innewohnende Verdrängung der historischen Zusammenhänge leistet sie als Ideologie dem erneuten Aufflammen von Neo-Nationalismus und Neo-Faschismus Vorschub. Diese Bewegungen erscheinen nicht als das, was sie sind, sondern können in einem geschichtslosen Diskurs ungestört die reaktionäre Deutung kapitalistischer Widersprüche betreiben. Mehr noch: Da die Idee vom „Sozialatom“ Herrschafts- und Klassenverhältnisse leugnet, erscheint das nationale Kollektiv bzw. die Volksgemeinschaft als naheliegende Vergemeinschaftsungsform des Subjekts im Neoliberalismus.

Diese Zusammenhänge werden in der deutschen Soziologie nicht aufgeklärt. Stattdessen wird die Tradition der westdeutschen Soziologie ab 1945 fortgeführt, die durch die Adaption herrschender Ideologien die Verklärung und schließlich Verdrängung von Nationalsozialismus und Shoa betreibt. In dieser Funktion herausgefordert durch die Kritische Theorie, hat sich die deutsche Soziologie nur umso stärker in neoliberales Denken verbissen, um so noch das letzte kritische Denken in dieser Disziplin an den Rand zu drängen.

Anhand seiner neuen Veröffentlichung „Soziologische Gegenaufklärung“ wird Gerhard Stapelfeld diese Thesen erläutern und mit dem Publikum diskutieren.

In Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen