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Sa | 21.01.2017 | Beginn 20:00 Uhr

Konzert

Khebez Dawle

„Refugee-Rocker“ aus Syrien

Die syrische Post-Rock-Band-Khebez Dawle vereint in ihrer Musik verschiedenste Einflüsse – westliche wie arabische: Syrischer Folk spielt eine entscheidende Rolle, aber fast noch deutlicher hört man Bands wie Radiohead oder auch Pink Floyd heraus.
 Wie Tausende andere haben sich die Musiker auf den weiten Weg von Damaskus über Beirut und die Türkei bis zur griechischen Insel Lesbos und von dort weiter über die Balkanroute bis nach Berlin gemacht – glücklicherweise erfolgreich. Mit der Geschichte ihrer Flucht, die sie halbironisch als „ihre erste Europatournee“ bezeichnen, erfuhren sie als „Refugee-Rocker“ große Aufmerksamkeit in den europäischen Medien: Khebez Dawle verteilten bereits bei ihrer Ankunft am Strand von Lesbos CDs und spielten überall entlang ihrer Route mithilfe der Menschen vor Ort und auf geliehenen Instrumenten Konzerte. Und auch während ihres laufenden Asylverfahrens soll ihre Tournee weitergehen: zunächst in Deutschland, später in ganz Europa.

Sänger und Gründungsmitglied Anas Maghrebi veröffentlichte erstmals Ende 2012 unter dem Namen Khebez Dawle Musik im Internet. Die politische Lage in Syrien war unübersichtlich und instabil zu der Zeit, der „Arabische Frühling“ war gekommen und wieder gegangen, Repression war allgegenwärtig. Auslöser für die jahrelange Flucht der Bandmitglieder war der gewaltsame Tod ihres damaligen Drummers und politischem Aktivisten Rabia, den man im Mai 2012 mit einem Genickschuss im Auto fand. Die Band zog vorerst nach Beirut, doch auch dort sahen sie bald keine Zukunft mehr für sich, weder menschlich noch musikalisch. 2015 verkauften Anas und seine Mitmusiker ihr Equipment und begannen ihre Flucht in Richtung Europa. „Alle Menschen würden es vorziehen, einem Krieg auf legale Weise zu entkommen. Aber das ist nicht möglich.“, sagt Anas.

Musikalisch beeinflusst wurden Khebez Dawle nach eigener Aussage buchstäblich von jeder Art von Musik um sie herum: Traditionelle syrische Lieder aus ihrer Kindheit und Jugend trafen auf die Aufbruchsstimmung der frühen Pink Floyd, dazu kamen Bands wie Radiohead oder der Vibe der britischen Indieszene. Ihre Texte beschäftigen sich vor allem mit sozialen und politischen Themen. Der Bandname bedeutet übersetzt so viel wie „Brot des Staates“ und bezieht sich zum einen direkt auf das von der syrischen Regierung subventionierte Brot, das für alle Gesellschaftsschichten verfügbar war. „Dieses Brot bedeutete ein hohes Maß an Sicherheit und Stabilität. Die Menschen waren halbwegs o. k. mit allem, was passierte, solange dieses Brot verfügbar war.“ Im übertragenen Sinne steht der Name vor allem aber für die Erkenntnis und die Überzeugung, dass es nicht das Brot alleine ist, welches die Grundlage einer funktionierenden Gesellschaft bildet. Es sind die Menschen, die in Freiheit leben können, und ihre Kultur, die es braucht, um die Gesellschaft zu erschaffen, von der Khebez Dawle träumen.

Anfang September 2015 kamen die Bandmitglieder wie viele andere mit einem Schlauchboot auf Lesbos an. Kaum angekommen, kamen sie mit Leuten am Strand ins Gespräch, erklärten, wer sie waren und verteilten CDs. „Die Situation war ohnehin schon völlig surreal. Also dachten wir, wir machen sie noch etwas surrealer. Wir wollten ein anderes Bild von Geflüchteten zeigen als das von armen, verängstigten Menschen.“
Obwohl weder die Überfahrt im Schlauchboot noch der anschließende Marsch über die Balkanroute ein Kinderspiel waren, ist Anas dankbar für die gemachten Erfahrungen. „Unser Glaube an die Menschen ist im Laufe unserer Reise extrem gestärkt worden. Du verlierst den Glauben an Papiere, Pässe und Bürokratie, aber die Erfahrungen, die wir mit Menschen gemacht haben, waren einzigartig.“ Überall auf dem Weg stampften Leute Konzerte aus dem Boden, stellten Equipment und Instrumente zur Verfügung, organisierten Veranstaltungen und Jamsessions.

Seit Oktober sind Khebez Dawle jetzt in Berlin, und sie haben große Pläne. Für 2016 war unter anderem eine filmische Dokumentation über ihre Flucht geplant sowie eine Europatour in umgekehrter Richtung, mit Start in Berlin und Abschluss auf Lesbos in Griechenland. Mit einer Crowdfunding-Kampagne sollen Instrumente und Studioequipment finanziert werden. „Ich hoffe, dass ich eines Tages bekannt genug in Europa sein werde, um für die Menschen (in Syrien) zu sprechen, die keine Stimme haben.“

www.khebezdawle.com

www.youtube.com
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VVK 15,20 € AK 16/13 €